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COPD  

Häufig verbirgt sich hinter einem länger andauernden Husten mehr als nur eine harmlose und lästige Plage. Wird dieses Unwohlsein von zunehmender Atemnot und quälenden Hustenattacken am Morgen begleitet, kann eine ernsthafte, potentiell tödliche Erkrankung dahinter stecken  die „chronisch obstruktive Lungenkrankheit".

Der Risikopatient ist über 35 Jahre und Raucher. Das Risiko lautet COPD und kann zum Tod führen. COPD steht für „chronisch obstruktive Lungenkrankheiten" und wird zumeist viel zu spät erkannt. „Wie bei den meisten Krankheiten liegt jedoch gerade in der Früherkennung die beste Chance auf Heilung", sagt Prim. Univ. Doz. Dr. Michael Studnicka, Vorstand der Universitätsklinik für Pneumologie und Leiter der BOLD- Studie an 1.000 Salzburger/innen. „Diese Studie wurde gestartet, um Bewusstsein für COPD zu schaffen und die Dunkelziffer aufzuklären, die derzeit bei erschreckenden 50 Prozent liegt", betont der Facharzt. Atemwegserkrankungen führen weltweit die Liste von Todesursachen an und nehmen zu. Laut Weltgesundheitsorganisation waren von den im Jahr 1990 verzeichneten 50,5 Millionen Todesfällen 9,4 Millionen darauf zurückzuführen. Tendenz stark steigend. COPD - früher oftmals schlicht und einfach „Raucherlunge genannt betrifft beinahe jeden zehnten Öster­reicher. COPD ist die Folge jahrelanger chronischer Entzündungen der Atemwege, hervorgerufen durch Umweltschadstoffe, Tabakrauch (auch Passivrauchen), Klimafaktoren sowie Staubbelastungen am Arbeitsplatz. „Auf die ständige Überflutung mit schädlichen Stoffen reagieren die Bronchien neben einer Verengung vorerst mit Husten, um die eingedrungenen Schadstoffe zu entfernen. Reicht dies nicht mehr aus, bildet sich verstärkt Schleim und es kommt in der Folge zu einer Verdickung der Schleimhaut, wodurch die Patienten verstärkt unter Atemnot leiden. In weiterer Folge nimmt die Anzahl der Flimmerhärchen ab, wodurch der vermehrt gebildete Schleim nicht mehr abtransportiert werden kann und sich der Husten zusätzlich verstärkt. Ein schicksalhafter Verlauf " beginnt", erklärt Dr. Michael Studnicka. Obwohl die COPD großteils Raucher betrifft (jeder Vierte bis Fünfte erkrankt im Laufe seines Lebens daran), schenken die Mediziner auch den erblich bedingten Einflüssen immer größere Beachtung. Denn die genetische Komponente ist bei COPD beispielsweise doppelt so hoch wie bei allergischem Asthma. Bei Zwillingen mit gleicher Tabakrauchbelas­tung tritt die Erkrankung sogar fünfmal häufiger auf als bei Nicht-Verwandten. COPD ist nach wie vor eine unterschätzte Krankheit. Die Erstdiagnose wird oft zu spät gestellt und die Lungenfunktion ist zu diesem Zeitpunkt bereits zu einem beachtlichen Teil verringert. Oft führt überhaupt erst eine vom Patienten angenommene „Verkühlung" zur Erstdiagnose. Die Mediziner fordern daher immer wieder, die . Lungenfunktionsprüfung in den Vorsorge ­Katalog aufzunehmen. „Ein derartiger Test, Spirometrie genannt, dauert etwa zehn Minuten und ist absolut schmerzlos", erklärt Dr. Peter Kowatsch, Allgemeinmediziner und Vorsorgereferent der Ärzte­kammer Salzburg, den Ab­lauf. „Außerdem können bei entsprechender Früherkennung eine Raucherentwöhnung und Medikamente den Krankheitsverlauf deutlich bremsen." Chronische Lun­genkrankheiten gehören zu jenen Leiden, die in den internationalen Todesursachen ­Statistiken am schnellsten nach oben revidiert werden!

Ein Artikel in der Krone 20.03.05 Medizin & Ärzte